ÜBERFLÜSSIG wie ein Kropf – ß als Großbuchstaben schreiben können?
Seit Jahren leben wir damit, dass beim Umsetzen eines Wortes mit einem ß in Versalien (Großbuchstaben) aus dem ursprünglichen ß ein Doppel-S wurde. Also Straße -> STRASSE. Hat mich nie gestört. Eher störend ist die Tatsache, dass bsp. Word bei Hintereinanderausführung der Tastenkombination Umschalt-F3 das Doppel-S nicht wieder in ein ß zurückverwandelt. Leider hat das ß auch die so genannte Rechtschreibreform überlebt.
Aber nun die Krönung: Laut Golem hat sich das Deutsche Institut für Normung (DIN) für das große ß eingesetzt und ist damit durchgekommen. Ich musst den Artikel zwei mal lesen, um zu begreifen, dass es erstens wirklich um ein ß als Großbuchstaben geht und das es diesen Großbuchstaben schon gibt – sogar als HTML “& # 7838 ;” (ẞ) – was allerdings nicht jeder Browser versteht. nicht in jedemSchriftsatz korrekt dargestellt wird (Danke, Jensel)
Sachen gibt es! *Kopf schüttelt*




Juni 25th, 2008 at 12:10
Bei STRASSE mag das funktionieren, aber was ist z.B. mit MASSE gemeint?
Der Browser versteht übrigens immer die Zeichenescapesequenz – die Frage ist nur, ob die verwendete Schriftart auch das Zeichen enthält. Bei allen Standardfonts sollte dies aber auf lange Sicht kein Problem sein (bei mir wird das ẞ schon jetzt korrekt angezeigt).
Juni 25th, 2008 at 12:28
Solche Fälle sind genau der Ausgangspunkt für das versale ß … aber ehrlich – Warum sollte man bsp. Maße in Versalien setzen. Der Wikipedia-Artikel enthält übrigens noch weitere interessante Beispiele
Juni 25th, 2008 at 12:33
Versalien und Kapitälchen sind wie Fett- und Kursivschrift ein Mittel zur Textauszeichnung. Ob man sie braucht? Für den Inhalt macht es keinen Unterschied. Wenn man sie dennoch hat, warum sollte man nicht Maße in Versalien schreiben können?
Juni 25th, 2008 at 12:44
Das sieht man mal wieder, dass es zuweilen gut ist über vermeintlich unnütze Neuerungen einfach mal einen kurzen Moment nachzudenken. Dann erschließt (mit ß) sich vielleicht von ganz alleine, dass (früher mit ß) es durchaus sinnvolle Einsatzgebiete für ein versales ß gibt. So sind alleine Eigennamen und Worte mit je nach Schreibweise (ß oder ss) differenter Bedeutung in der Deutschen Sprache nach wie vor vertreten und sollen es auch bitte bleiben. Denn nicht alles, was sich dem einzelnen nicht erschließen will, muss wegrationalisiert werden. Der Weg zu Dreiton-Grunzlauten wäre andernfalls schon fast geebnet. Und mir als Setzer dreht es den Magen um, wenn ich zwischen Versalien ein gemeines ß erblicke.
Also freut euch und heißt (auch mit ß) das neue Zeichen in unserem Kulturkreis Willkommen.
Juni 25th, 2008 at 12:50
für die Rechtschreibung ändert sich mit der Normung nichts. Interessant ist der Standard vor allem für Grafiker und Softwareentwickler.
Grafiker, die visuell durchaus zwischen kleinem und großen ß unterscheiden. Und Programmierer, die sich damit rumärgern, dass bei einem toUpperCase einer Zeichenkette das ß in SS umgewandelt wird (weil ein großes ß gibt es ja nicht) und anschließend eine Zeichenkette mit neuer Länge erhalten (was UTF-8 Konform völlig in ordnung ist). Wird dieses Verhalten in der weiteren Programmierung nicht beachtet, so ist Ärger vorprogrammiert
Juni 25th, 2008 at 13:09
Ok, OK, ich gebe zu, das Thema ein wenig nickelig angegangen zu sein. Positiv gesehen könnte man ja auch wirklich jubeln, dass für eine seit ewigen Zeiten bestehende Ausnahme (Alle Buchstaben gibt es in Groß und Klein – außer dem ß) nun endlich eine verbindliche Lösung gefunden wurde.
Juni 25th, 2008 at 13:34
[...] Beiträge haben mitunter angenehme Nebeneffekte. Keule von Das dicke En.de hat einen netten Kommentar abgegeben – Grund genug, dort einmal vorbeizuschauen und ein wenig zu blättern. Interessantes [...]
Juli 17th, 2008 at 14:01
Das “ß” ist aus dem “S” und dem “Z” entstanden – deshalb nennt man es ja auch “SZ”!! (vgl. m. deutscher Kurrentschrift!)
Wenn man sich den Buchstaben mal genauer ansieht, erkennt man es!
In der Architektur verwendet man an Stelle des “ß” in der Großschreibweise ein “SZ”. Damit wäre auch sicher, ob es sich um eine MASSE handelt, oder um die MASZE.
vgl. z.B. hier: http://www.suetterlinschrift.de/Lese/Kanzlei1.htm
> eine seit ewigen Zeiten bestehende Ausnahme
Nein, es ist keine Ausnahme! Es sind einfach nur 2 Buchst. zusammen – wie früher beim “TZ”. Hätte man mal ein “SZ” am Wortanfang, müsste man es als “Sz” schreiben. Das große “S” sieht aber anders aus, und damit ergibt es kein “ß”! Das “S” im “ß” ist ein kleines “S” – dieses auch “MITTEL-S” genannt. Nich verwechseln mit dem “End-S” (siehe Link). Alles klar?
Das Problem mit der Programmierung dürfte es in anderen Sprachen (wie frz., span., tschech, ung. usw.) noch viel stärker geben, denn sie haben noch viiiiiiiiiiiiiel mehr Sonderzeichen als wir. Bei denen käme nie jemand auf die Idee, auch nur ein Sonderzeichen ihrer geliebten Muttersprache zu entfernen!