Lili Hahn – Bis alles in Scherben fällt
Donnerstag, den 20. März 2008Können Tagebücher bis gestern fremder Personen die eigene Weltanschauung beeinflussen? Das, was man nach Jahren glaubt, von der Welt zu wissen und als eigene Anschauung weitergibt? Ja, wenn sie so persönlich und in der Zeit geschrieben sind wie die Tagebuchblätter von Lili Hahn aus den Jahren 1933 – 1945.
Die Einträge sind persönlich, erschreckend ehrlich, manchmal prophetisch und immer berührend. Wie sehr ist der Einzelne in die Geschichte verstrickt? Was tut er, was wird ihm angetan? Das Berührende und Erschütternde dieses Buches sind die Alltäglichkeit der Ereignisse, der Alltag im gutsituierten, intelektuellen Teil Frankfurts, der Alltag in Hunger und Not und der Alltag in den Beziehungen zwischen den Menschen. Und genau an dieser Stelle liegt die aktuelle Bedeutung der Erlebnisse solcher Menschen wie Lili Hahn: Sie ziehen Paralelen zum selbst Erlebten, machen Erscheinungen aus anderer Sicht durchschaubarer und bereichern das Leben um Erfahrungen, die man so selbst nicht machen musste.
Ich habe lange gebraucht, bis ich mich an die Blätter gewagt habe. Es war ein Gewinn, dieses Tagebuch gelesen zu haben.







