Text und Tier

Cjoes-Blog – Jörg Schumacher – Online-Journalist

Archiv der Kategorie ‘Bücher‘


Lili Hahn – Bis alles in Scherben fällt

Donnerstag, den 20. März 2008
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Können Tagebücher bis gestern fremder Personen die eigene Weltanschauung beeinflussen? Das, was man nach Jahren glaubt, von der Welt zu wissen und als eigene Anschauung weitergibt? Ja, wenn sie so persönlich und in der Zeit geschrieben sind wie die Tagebuchblätter von Lili Hahn aus den Jahren 1933 – 1945.

Die Einträge sind persönlich, erschreckend ehrlich, manchmal prophetisch und immer berührend. Wie sehr ist der Einzelne in die Geschichte verstrickt? Was tut er, was wird ihm angetan? Das Berührende und Erschütternde dieses Buches sind die Alltäglichkeit der Ereignisse, der Alltag im gutsituierten, intelektuellen Teil Frankfurts, der Alltag in Hunger und Not und der Alltag in den Beziehungen zwischen den Menschen. Und genau an dieser Stelle liegt die aktuelle Bedeutung der Erlebnisse solcher Menschen wie Lili Hahn: Sie ziehen Paralelen zum selbst Erlebten, machen Erscheinungen aus anderer Sicht durchschaubarer und bereichern das Leben um Erfahrungen, die man so selbst nicht machen musste.

Ich habe lange gebraucht, bis ich mich an die Blätter gewagt habe. Es war ein Gewinn, dieses Tagebuch gelesen zu haben.

Jude Deveraux – Wilde Orchideen

Dienstag, den 12. Februar 2008
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Bücher, die unverhofft auf dem Tisch liegen, können ihren eigenen Reiz haben. Als beiliegendes “Geschenk” einer Weltbild-Lieferung hatte ich den Titel “Wilde Orchideen” von Jude Deveraux in den Fingern .. ein einfach nettes Buch. Spannend, flüssig geschrieben, berührend, mystisch und überraschend, nur der Klappentitel sollte nicht so ernst genommen werden, die erinnert an einen Nackenbeißer.

Update: Ich habe erst anschließend nachgelesen: Jude Deveraux ist eine Bestsellerautorin aus den USA. Offensichtlich hatte ich bisher noch nie ernsthaft in Betracht gezogen, ein Buch von ihr zu lesen – mir sagte der Name nichts. Das hat sich mit diesem Buch geändert.

Genial daneben – was ist ein Nackenbeißer?

Sonntag, den 27. Januar 2008
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Es gibt Begriffe, die kennt man oder hat keine Chance, jemals dahinter zu kommen. Z.B. “Sommerdreieck”. Da ich vor Urzeiten einmal ein Seminar für Astronomie gegeben habe und das Sternbild Schwan zu den Sternbildern gehört, die den Himmel besonders zieren, wusste ich mit dem Begriff etwas anzufangen.

Aber “Nackenbeißer”. Ich war überrascht, als ich den recherchiert habe: Ab zu Wikipedia.

Abenteuer Maronen kochen

Montag, den 7. Januar 2008
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Schon vor über einem Jahr bin ich im Restaurant Tegernseer in München als Beilage einmal mit Maronen bekannt gemacht worden: Was auf dem Teller liegt, wird auch gekostet. Es war ein Genuss und Grund genug, es selbst zu versuchen. Anleitung war der Artikel Maronen kochen, den ich zufällig gefunden hatte.

Hier also meine Erfahrungen.

Erster Schritt: Kreuzweise einritzen – war nicht so einfach. Ich habe dann ein spitzes Messer genommen, die Schale eingestochen und den Schlitz kreuzweise erweitert. Das ging deutlich einfacher.

Zweiter Schritt: Pellen nach dem Kochen. Da die Maronen nachher sowieso noch einmal gebraten werden sollten, habe ich sie einfach unmittelbar nach dem Kochen mit kaltem Wasser abgeschreckt – das Pellen war nicht mühselig.

Dritter Schritt: Rösten in Walnussöl – das war alle. Ersatzweise habe ich Erdnussöl genommen und die Maronen schön knusprig gebraten.

Vierter Schritt: Angerichtet mit Makkaroni und überstreut mit Parmesan – lecker.

Weihnachten durch die USA mit Anne Seale, Heißes Erbe

Freitag, den 14. Dezember 2007
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Wer sich zu Weihnachten ein rasantes, witziges und vor allem herzerwärmendes Krimi-Märchen gönnen möchte, dem sei der Krimi der Amerikanerin Anne Seale, Heißes Erbe, wärmstens empfohlen. Wie sich ein Überführungsauftrag quer durch die USA von Buffalo nach Florida und mit…

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Norwegen zu Weihnachten erlesen: Kim Småge, Zweitgesicht, Nebel über Trondhjem

Montag, den 26. November 2007
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Sie kommen jedes Jahr um Weihnachten und den Jahreswechsel: die langen Abende, an denen ein wenig Grusel am warmen Ofen zum Wohlbefinden beiträgt. Die blind verliebte Kommissarin Anne-kin Halvorsen wacht böse auf: Ihr Liebster ist nicht ganz der Mann,…

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Harry Potter? Wer ist tot?

Montag, den 23. Juli 2007
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Das einzig Interessante an Harry Potter ist für mich noch die Tatsache, dass Papa Razzi ihn nicht mag. Alle Bände liegen fein säuberlich vom Patenkind sortiert bereit, die DVDs habe ich auch gesehen. Mehr muss doch aber nicht sein.

Die ganze Zauberei trägt sich doch in sich selbst, Mord und Totschlag durchziehen die ganze Serie, ein Ministerium sorgt dafür, dass Zauberei nur in geschlossenen Anstalten Schulräumen stattfindet. Und von meiner Lieblingsfigur, der mauligen Myrte ist auch schon nichts mehr zu sehen. Also was solls, es ist eh das letzte Buch der Serie, je knalliger der Abgang, desto besser.

Sue Walker – Sanft soll er ruhen

Sonntag, den 15. Juli 2007
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Mit dem Roman “Sanft soll er ruhen” geht Sue Walker einer zugespitzten Vater-Sohn-Beziehung nach. Der geliebte Vater ein Mörder? Zumindest für den Sohn scheint das so fest zu stehen, dass er jeden Kontakt zum Vater abbricht und diesen erst nach dessen Tod eher widerwillig aufnimmt.

Die Frage nach dem “Warum” beantwortet die Autorin nicht. Obwohl die handelnden Personen sehr vielschichtig dargestellt sind, ist deren Antrieb nicht offensichtlich. Dennoch tut das dem Buch keinen Abbruch. Es ist zwar kein wirklicher Kriminalroman, die Handlung aber ist spannend von der ersten bis fast zur letzten Zeile. Diese letzten Zeilen dienen der Versöhnung: Sanft soll er ruhen.

Goldmann-Verlag

Tove Nilsen, Nachtzuschlag

Donnerstag, den 28. Juni 2007
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Nach der Lektüre des Romans Nachtzuschlag von Tove Nilsen blieb irgendwie ein komisches Gefühl übrig. Der Roman spinnt eine dramatische Begegnung zunächst zweier, zum Ende hin dreier Personen. Auf dem Weg nach Hause wird eine Frau von einem Taxifahrer entführt. Die Spannung resultiert aus der Zwangslage, in die sich die erfolgreiche Schriftstellerin wiederfindet. Wie sich später herausstellt, ist sie nicht zufällig in dieser Situation. Sie sieht sich allein einem Mann gegenüber, der Offensichtliches im Sinn hat.

Nach meinem Empfinden aber macht die Autorin aus der Idee zu wenig. Die Spannung wird gut aufgebaut, der Versuch der zunächst fassungslosen Frau, der Gefahr intellektuell zu begegnen, ist gut nachvollziehbar. Ganz langsam erhalten die Personen ein Profil, das die Motive für das Handeln erscheinen lässt. Aber bevor es zur Lösung des Konflikts in die eine oder andere Richtung kommt, flüchtet die Autorin in ein schnelles Ende. Nach all den Aufregungen und seelischen Belastungen werden Leser und die Heldin des Buchs mit dem lapidaren Satz verabschiedet: “Was immer passiert ist, jetzt ist es vorbei.” Schade.

Der Hund in der Fabel: Kynopolis von Christine Lehmann

Donnerstag, den 28. Juni 2007
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Selten hat mich die Beschreibung auf einem Bucheinband so verwirrt, wie bei der Originalausgabe des Buchs Kynopolis von Christine Lehmann. Dieses Buch stammt zwar schon aus dem Jahr 1994, war aber über Booklooker.de noch in großer Zahl sehr preiswert verfügbar. Gesucht und gelesen hatte ich es wegen des Untertitels “rasanter Hundekrimi und wunderschöne Tiergeschichte in einem” und natürlich wegen der Autorin. Enttäuscht wurde ich nicht.

Gute Bücher wie dieses haben eine Eigenart: Je nach Erfahrung des Lesers und der ihn umgebenden Ereignisse lösen sie Gedanken im Kopf aus, die sehr verschieden sein können. Ich kann aus dem Untertitel nur das Wörtchen “rasant” bestätigen. Die Ereignisse fangen harmlos an und überschlagen sich zum Ende hin in dunklen, dichten Bildern voll allegorischer Komponenten und verdichteter Aussagen. Ich habe den Zugang zum Buch erst gefunden, als ich es für mich als gelungene Fabel eingeordnet hatte. Dieses Genre, in denen Tiere menschlich handeln, hat seinen ganz eigenen Reiz. Ob die den Tieren dabei zugeordneten menschlichen Eigenschaften den Tieren nach Meinung des Lesers wirklich entsprechen, ist dabei ohne Belang. Im Zusammenhang mit einem Irish Wolfhound steht der treffende Satz: “Größe macht auch dann Eindruck, wenn sie unaggressiv ist“, andere Kennzeichen der beteiligten Hunde sind der Fabel angepasst und verstärken die gewählten Bilder.
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