Geblättert: Zastrow – Fachwörterbuch für die Software-Dokumentation
„Was steht auf Ihrem Bildschirm?“ – „Ein Blumentopf!“. Gut, der Witz ist alt und stammt aus der Zeit, als auf den Röhrenmonitoren noch Platz für Blumentöpfe war. Aber er illustriert noch wie zu Anfangszeiten der Computerei, wie sehr aneinander vorbeigeredet werden kann, wenn nicht die richtigen Begriffe verwendet werden. Also ist es zunächst zu begrüßen, wenn Autorin Bettina Zastrow aus über zwanzig Jahren Praxiserfahrung im Bereich Technische Dokumentation für die IT-Branche mit einem Buch dazu beitragen möchte, dass Bedienungsanleitungen für Computerprogramme in Zukunft verständlicher werden.
Terminologie ist das Zauberwort und es ist sicher Verdienst der Autorin, mit ihrem Buch und den gewählten Beispielen darauf zu verweisen, dass selbst über so einfache wie im Buch dargestellte Beispiele nicht nur nachgedacht werden muss, sondern Übereinstimmung hergestellt werden sollte, sobald sich mehr als ein Autor/Hersteller mit Bedienungsanleitungen zum gleichen Thema/Programm beschäftigt. Üblicherweise gibt es dafür Hersteller wie z.B. Microsoft, die eine Terminologie vorgeben, an der man als Autor nicht vorbeikommt. Wenn wie in der Vergangenheit in der Lotus der Begriff „Mischen“ anstelle des in der Praxis üblichen Begriffs „Serienbrief“ Verwendung fand, dann ist das eher verkaufsschädlich als ein Ausdruck von Kreativität.
Die simplen Referenzbegriffe im Buch sehe ich als allgemeinverständliche Beispiele und Anregung für Berufseinsteiger, sich dem Thema allgemein üblicher Terminologie aufzuschließen und nicht einfach drauflos zu schreiben. Der Klappentext „Den passenden Begriff sofort zur Hand“ halte ich für eine Übertreibung. Dafür ist erstens die Zahl der Begriffe deutlich zu klein und zweitens die Thematik auf wenige Bedienelemente eingegrenzt. Nur um es deutlich zu machen: Ich habe letztens ein Fachwörterbuch mit 40.000 Begriffen, das in etwa der gleichen Preiskategorie wie „der Zastrow“ lag, dem Recycling überantwortet, weil 99% der von mir benötigten Übersetzungen nicht enthalten waren.
Terminologie lebt. Übliche Begriffe verschwinden, veralten, werden allgemeiner Sprachschatz. Neue Begriffe entstehen mit modernen Technologien. Ein Blick auf die Literaturliste mit fast 20 Jahre alten Referenzen wirft daher bei mir schon einige Fragen auf. Das Internet als Quelle für vorhandene Terminologie kommt zu kurz. Selbst bei Beschränkung auf die im Buch verwendeten Beispiele hätte dringend zu mindestens ein Verweis auf das Microsoft Sprachenportal erfolgen müssen.
Fazit: Für ein Standardwerk habe ich den Zastrow für zu leicht befunden. Als ein Beispiel zum Umgang mit Terminologie (das Vorwort ist das Highlight des Buches) ist das Buch vor allem schreibenden Berufsanfängern zu empfehlen – und zwar unabhängig vom Thema. Auch Dozenten zum allgemeinen Thema Terminologie werden ihre Freude an den allgemeinverständlichen Begriffen haben und die Bedeutung einer eindeutigen Terminologie gut darstellen können.
Die 134 enthaltenen Begriffe sind allerdings zu dünn, um dem hoffnungsvollen Titel „Fachwörterbuch für die Software-Dokumentation“ Gewicht zu verleihen. Schade, ich hatte große Erwartungen nach dem Lesen des Klappentextes. Wenn der Inhalt dem Titel, dem Klappentext und dem Preis angemessen wäre, hätte es ein wahrer „Zastrow“ in der Bedeutung unverzichtbares Basiswissen sein können.







