Ostfriedhof München: Die Engel und der Sachse
Ich bin seit Jahren gelegentlich in München und übernachte immer wieder in einer kleinen empfehlenswerten Pension. Zwischen dieser und meiner Arbeitsstätte liegt der Ostfriedhof München, den ich aus häufigen Durchquerungen auf dem “Heimweg” gut kenne. Für mich ist ein Friedhof ein Park mit historischen Denkmälern. Doch bei aller Vertrautheit mit der Örtlichkeit war Vieles am Wochenende neu und erzählenswert.
Ich kannte den Weg über den Ostfriedhof München bisher nur im Sommer. Umso mehr war ich von der herben Schönheit winterlicher Bilder beeindruckt, die sich auf der Suche nach Darstellungen von Engeln auf Grabmalen darbot. Segnende Engel, trauernde Engel, sogar einer mit drohend erhobenem Arm und aufzeigendem Finger. Für sich und ohne den damit verbundenen Gedanken an den Tod ist ein Friedhof wie der riesige Ostfriedhof ein Ort voller Eindrücke.
Mich aber holt der Tod und der Gedanke an den eigenen immer wieder ein, seit ich nach überstandener eigener Krankheit das Grab eines Sachsen entdeckte, der mit mir das Geburtsjahr und das Jahr meines Fasttodes gemeinsam hat. Er hatte nicht das Glück, älter zu werden. Sein Grabstein erinnert mich jedes Mal an die eigene Vergänglichkeit. Bisher immer mit viel Trauer und Selbstmitleid.
Dieses Mal aber wurde mir an diesem Grab die Hand gehalten und die Fee sprach zu mir: “Er würde sich jetzt mit dir freuen, wenn er dich sehen könnte. Er würde es dir gönnen, so glücklich zu sein.” Dieser Gedanke befriedete mein Herz und mein Selbstmitleid – danke, Fee.



