Herman und Tietjen – aus vorbei, nie wieder
Oft bin ich mit Zessy einer Meinung, diesmal nicht ganz. Ich bin einverstanden, dass über den Vorfall oder das Auftreten und die Ansichten von Frau Hermann oder über den Zusammenhang mit ihrer Beschäftigung beim NDR nicht unbedingt diskutiert werden muss. Dazu ist das Getöse zu laut, die wirkliche Faktenlage unbekannt und bereits Schmutz genug geworfen worden. Aber wirklich peinlich ist nicht Frau Herman, sondern die Heuchelei rund um die Thematik. Es reicht nicht, sich von Äußerungen abzugrenzen, es ist Auseinandersetzung gefordert. Und außer Getöse ist selten etwas zu erleben.
Unsere Gesellschaft ist leicht dabei, sich verbal antifaschistisch zu zeigen. Aber wenn es drauf ankommt, wird getrickst, ausgewichen und verharmlost. Wurde vielleicht Strafantrag gegen den Bürgermeister von Mügeln gestellt, der den Skandal in “seiner” Stadt verharmlost? Ich will gar nicht weiter aufzählen, wo sich altes und neues faschistisches Gedankengut zeigt oder in Handlungen manifestiert. Aber von einem öffentlich rechtlichen Sender hätte ich erwartet, dass er aufklärt, Zusammenhänge aufzeigt und informiert, nicht ausgrenzt oder verharmlost.
Wenn der “Mütterkult der Nazis”, die den immer noch begangenen Muttertag als offiziellen Feiertag eingeführt haben, schon auf der Tagesordnung steht, dann hätte das auf den Tisch gehört: Die Faschisten machten aus der “gebärfreudigen” Mutter eine Heldin, auszuzeichnen mit dem Mutterkreuz.
Laut Wikipedia war das so genannte “Ehrenkreuz der deutschen Mutter”, kurz Mutterkreuz eine Auszeichnung in drei Stufen: Stufe 3 in Bronze ab 4 Kinder, Stufe 2 in Silber ab 6 Kinder und Stufe 1 in Gold ab 8 Kinder. Und auch viele der dort aufgeschriebenen Informationen wären es wert gewesen, in der Argumentation rund um das Thema genannt und hinterfragt zu werden, auch der Artikel bei Wikipedia selbst, unabhängig von Frau Herman und dem damit verbundenen Palaver.
[Die Welt]



